[Rezension] Still - Chronik eines Mörders


Thomas Raab || Still || Droemer Knaur || 358 Seiten || 19,99 € || ISBN: 978-3-426-19956-5

Zusammenfassung:


06. Dezember 1982. In einem kleinen Ort namens Jettenbrunn erblickt der kleine Karl das Licht der Welt. Charlotte und Johan Heidemann, die Eltern, sind am Anfang unheimlich stolz. Doch Karl ist ein Schreibaby. Es schreit und hört nicht mehr auf. Auch den Nachbarn entgeht dies nicht, und nach anfänglichen Ratschlägen, zeigen sie eher Abscheu und Distanz. Karls Vater entdeckt, dass sein Gehör überempfindlich ist, und stattet ihm daher einen Raum im völlig stillen Keller aus. 
Abgeschieden von der Welt, lernt der kleine Junge sehr schnell für sich selbst da zu sein und lernt schneller als ein normales Kind. Gefühle oder Zuneigung hingegen sind ihm fremd.
Als eines Tages seine Mutter vor seinen Augen Selbstmord begeht, indem sie immer tiefer in den Weiher hineinläuft, passiert in ihm etwas fatales: er empfindet den Tod als Erlösung vor all dem Lärm und möchte dieses Gefühl immer wieder erleben. 

Cover:


Viel gibt es zu dem Cover eigentlich nicht zu sagen, da es wirklich sehr schlicht ist. Es wirkt genauso still, wie das gesamte Buch auch. Das Wasser hat natürlich eine entscheidende Bedeutung in Karls Kindheit, als seine Mutter sich darin ertränkt. Die Schrift gefällt mir ebenfalls sehr gut. Mich hat es zumindest wirklich zum Kauf animiert, da es unheimlich Spannung aufbaut.

Parfum? Oder eher Schlafes Bruder?


Genau das ist die Frage, die mich das ganze Buch hindurch verfolgt hat: Erinnert es mich jetzt mehr an Parfum von Patrick Süßkind oder an Schlafes Bruder, geschrieben von Robert Schneider? Denn tatsächlich lassen sich unbestreitbar klare Parallelen zu diesen beiden Werken ziehen.
Aber fangen wir von vorne an. Still - Chronik eines Mörders hat mit 259 Seiten auf 67 Kapiteln ziemlich kurze Kapitel, die wiederum im Gesamten in drei Teile geteilt sind. Erzählt wird aus einer neutralen Erzählperspektive, die jedoch das Leben von Karl Heidemann verfolgt. Das Buch fängt bereits mit dem Tod von Karl an, und erzählt rückblickend, wie sein Leben ablief und wieso dieser Todestag ein guter gewesen sei. Mit einem überraschend altmodischen Sprachstil wirkt das Buch fast, als sei es schon vor 50 Jahren geschrieben worden, es erinnert mich fast ein bisschen an Hermann Hesses oder eben auch Patrick Süßkinds Schreibstil. Dadurch, dass hier rückblickend erzählt wird, wirkt die Geschichte auch sehr wie ein Bericht. Und das Buch strahlt damit auch eine unglaubliche Stille aus, eben genau das, was es auch vermitteln will. Als Genre würde ich es weniger Krimi nennen - es ist eher ein Entwicklungsroman mit Krimi-Elementen. 

Obwohl ich eigentlich sehr gerne diese alte, etwas langatmige Sprache mag, ja sogar liebe,  hat es mir den Einstieg in dieses Buch sehr schwer gemacht. Ich habe ein Buch erwartet, das dem zeitgenössischen Sprachstil heraus geschrieben wurde, was es aber nicht ist. Und auch über das gesamte Buch hinweg konnte es mich nicht wirklich abholen, die Geschichte empfand ich daher als fade und wirklich Spannung hat sich meiner Meinung nach nie richtig aufgebaut.
Außer Karl selbst empfand ich außerdem die anderen Charaktere als blass und eindimensional. Viele Motive oder Taten haben sich auch nach dem zweiten Mal lesen nicht richtig erschlossen, und wirklich warm konnte ich auch nicht damit werden.

Positiv anzurechnen sind dem Buch allerdings wirklich die Beschreibungen von Karls Empfinden. Gerade die akustischen Momente werden bis zum Exzess herausgearbeitet, sodass man wirklich Karls Gefühle nachempfinden kann. Viele Gedanken über Tod, Glück, Liebe und Akzeptanz sind in dem Buch verarbeitet, die irgendwie auf einen selbst zurückgeworfen werden. Man erlebt mit Karl zusammen seine Leiden und empfindet Mitgefühl für ihn, und kann ihm am Ende trotz der Morde gar nicht richtig böse sein.

Und die Ähnlichkeiten zum Parfum?

Allein schon Titel und Länge des Buches sind dem Parfum sehr ähnlich. Auch Grenouille hat ein ähnliches Problem wie Karl, wenn auch olfaktorisch. Der Sprachstil und vor allem der Anfang sind ebenfalls sehr ähnlich. Allerdings schlägt die Geschichte nach Verlassen von Jettenbrunn einen anderen Weg ein.

 Daher kann man ruhig beide Lektüren lesen, wie ich finde. Man kauft sich mit Still zumindest keinen Abklatsch von das Parfum!


Fazit:


Thomas Raab hat mit Still - Chronik eines Mörders eine etwas altmodische, ruhige Geschichte entworfen, die mit Karl einen ähnlichen Effekt in uns hervorruft, wie es Grenouille schon geschafft hat. Wirklich brillant sind einige kleine Gedankengänge, die sich über das Buch hindurch verteilt haben. Aber leider sind die Charaktere, wie auch die Geschichte irgendwie blass und ich konnte mich damit nicht wirklich anfreunden.
Empfehlen würde ich es dennoch für all diejenigen, die mit dem Schreibstil besser klarkommen, als ich. 



Kommentare:

  1. Huhu meine Liebe! :)

    Dass der Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig ist, hab ich schon von ein paar Seiten gehört. Da mich das Buch aber trotzdem sehr reizt werd ich wohl einfach mal einen Blick in die Leseprobe wagen. ;) Schade, dass es dich dann doch nicht ganz abholen konnte. :3

    Liebste Grüße
    Nina ♥♥♥

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    1. Huhu Nina!
      Ich wollte es demnächst verlosen. Da kannst du ja gerne dran teilnehmen!
      Es würde mich freuen, wenn das Buch einen anderen Leser findet, der mit der Sprache besser zurechtkommt als ich :)

      liebe Grüße!

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